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Jahresrückblick 2021

von Judith Fuchs-Eckhoff

Uns alle eint sicherlich der gleiche Gedanke: Gott sei Dank ist das letzte Jahr vorbei. Es hat uns viel abverlangt. Es war unglaublich kräftezehrend. Keiner von uns hätte sich vorstellen können, wie extrem sich unser Leben doch in so kurzer Zeit verändern kann und auf welch harte Probe wir gestellt werden.

Dornröschenschlaf für 8 Monate

Vorletztes Jahr, am 1. November 2020 haben wir das Jacob zum zweiten Mal schließen müssen. Acht lange Monate lag das Hotel im Dornröschenschlaf, bevor wir im Juli 2021 das Hotel wieder öffnen durften. Acht Monate ohne Gäste. Homeofficeangebote gibt es leider für die Hotellerie nicht. Wenn wir keine Gäste begrüßen dürfen, dann fehlen aber auch sinnstiftende Aufgaben. Unseren Gästen - Ihnen einen schönen Aufenthalt zu bereiten und unvergessliche Erlebnisse zu kreieren, das treibt uns täglich an und motiviert uns. Wenn das fehlt, wird man kopfmüde, verzweifelt an der fehlenden täglichen Routine, manche verlieren den Mut und manche verlieren sich selbst in der Krise.

Andere wiederum wachsen in der Krise. So zum Beispiel meine 30 Auszubildenden, mit denen ich acht Monate alleine das Hotel bewacht habe. Dank eines starken Teams, konnten wir diesen jungen Menschen mit Trainings- und Produktschulungen auch während des Lockdowns Ausbildungsinhalte vermitteln. Und das so gut, dass die Azubis im Frühjahr ihr eigenes Außer Haus Konzept erarbeitet und umgesetzt haben. 

In der krise wachsen

Von der Ausarbeitung des Angebotes über die Kalkulation des Wareneinsatzes bis hin zu den Marketingaktivitäten haben meine Azubis alles allein organisiert. Das Engagement wurde im Kollegenkreis und in der Fachpresse sehr gewürdigt.

 Durch diese Aktion sind wir alle sehr stark zusammengewachsen und wir haben es geschafft, dass diese jungen Menschen die Freude an ihrem Beruf nicht verlieren.

In seiner 230-jährigen Geschichte war das Hotel noch nie so lange geschlossen. Selbst während des Zweiten Weltkrieges fanden hier Hochzeitsfeiern statt, auch wenn der Betrieb eigentlich eingestellt war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Hotel zuerst eine Unterkunft für britische Soldaten und danach ein Kinderheim, in dem Kinder wieder aufgepäppelt wurden. Im Sommer diesen Jahres hatte ich einen Gast in Jacobs Restaurant, der sich mit Hans-Jürgen Peters vorstellte. Nachdem ich mich mit ihm und seiner Frau unterhalten habe, stellte sich heraus, dass Herr Peters im Jahre 1948 im Kinderheim im Jacob untergebracht war. Er schrieb damals seiner Mutter einen Brief.

briefe aus der vergangenheit

„Liebe Mama, wie geht es Dir? Wir sind sechs mann, morgens gibt es Kesebrot und Mageladebrot und Butterbrot

Euch grüßt herzlich Euer Hans Jürgen Peters.“

Ich kannte den kleinen Brief in einem sehr außergewöhnlichen kleinen Format. Ich hatte ihn bei Aufräumarbeiten während des ersten Lockdowns im Safe gefunden.

Ich lief kurz rüber in mein Büro, um den Brief zu holen. Durch eine andere Begegnung im Jahr 2019 verfüge ich zudem über einen regelrechten Schatz an historischen Aufnahmen des Hotels aus der Nachkriegszeit. Denn 2019 lernte ich per Zufall den Enkel unseres ersten Pächters aus dem Jahr 1922 kennen. Der Enkel ist heute um die 80 Jahre und lebte in der Zeit als der kleine Hans-Jürgen im Kinderheim mit seinen Eltern im Jacob. Beide waren gleichalt und wurden mit Lebertran aufgepäppelt. Etliche fotografische Dokumente hat mir dieser besagte Enkel überreicht. Diese habe ich natürlich auch mit an den Tisch gebracht, an dem Herr Peters – heute auch 80-jährig mit seiner Frau dinierte. Er war voller Hoffnung, dass er sich vielleicht auf einem der Bilder entdeckte. Und so saß ich im Sommer 2021 mit dem Ehepaar Peters im Restaurant und war Zeuge einer stillen, unglaublichen Begegnung mit einer Geschichte, die nur das Leben schreiben kann.

Herr Peters hatte das gute Essen von Thomas Martin vergessen und saß gerührt vor seinem Brief, den er vor 73 Jahren an seine Mutter geschrieben hat und versuchte mit seiner Frau sich selbst auf einer der Aufnahmen zu entdecken. Dann fotografierte er das ganze Ensemble auf dem Tisch mit seinem neuen Iphone.

Es war ein sehr berührender und emotionaler Moment – ein Moment der leisen Töne, der Stille, ein Moment, der meine Seele berührt hat.

Geschichte weitergeben 

Diese Begebenheit erzähle ich auch meinen Azubis. Weil ich weiß, wie schwierig es ist, in jungen Jahren Lebenszeit und Geschichte einzuordnen.

Wenn wir das Jahr 2070 schreiben – dann sind meine Azubis so alt wir Herr Peters heute. Dann sitzen sie vielleicht in Jacobs Restaurant und werden hoffentlich die Gelegenheit haben, jemandem zu erzählen, wie es in Zeiten während der Corona Pandemie war, eine Ausbildung im Jacob zu absolvieren.

Und vielleicht - hat dann der ein oder andere auch wieder einen stillen, berührenden Moment, der tief in die Seele dringt.

Ich wünsche mir, dass das Jahr 2022 für Sie viele berührende und wertvolle Momente bereithält. Ich wünsche mir für Sie wertvolle Begegnungen, die Ihre Seele berühren – mit Menschen, die Ihnen wichtig sind – und das vielleicht im Jacob. Weil es unsere Passion und unser innerster Antrieb ist, Ihnen unvergessliche Momente und Erlebnisse zu kreieren, mit denen wir Ihre Seele berühren.

 Ich wünsche Ihnen ein frohes Neues Jahr und freue mich auf ein Wiedersehen im Jacob.

 Herzlichst

Judith Fuchs-Eckhoff